Der Thunderbolt-Film

von Thorsten Küper

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Es muss so etwa Frühjahr 2000 gewesen sein, als ein ganz neues und ehrgeiziges Projekt im Thunderbolt seinen Anfang nahm: Das neue Thunderbolt-Video.

Bereits ein Jahr zuvor, im Sommer 1999 hatten wir uns an einem fünfminütigen Filmchen versucht, das innerhalb des Clubs mittlerweile Kultstatus genießt, für uns aber eigentlich mehr ein erster Test war, was wir mit einer handelsüblichen Videokamera tatsächlich erreichen konnten. Danach stand für unsere Kerncrew, damals bestehend aus Uwe Post, Heike Hohl, Udo F. Rickert, Ludger Otten und mir, fest, dass wir bei der Produktion eines weiteren Films vielleicht nicht alle unsere künstlerischen Ansprüche befriedigen könnten, aber doch zumindest einen Riesenspaß haben würden.

Der erste Film aus dem Jahr 1999 - Udo F. Rickert und meine Seltsamkeit.

Für uns war dabei von vornherein klar, dass wir die Story des Films nach unseren technischen Möglichkeiten ausrichten mussten. Eine Space-Opera hätten wir wohl alle gern produziert, doch die damit verbundenen Anforderungen an Kostüme, Requisiten und nachträgliche Computerbearbeitung wären für unser kleines Team schlicht zu überzogen gewesen. Davon abgesehen geisterten in unseren Köpfen mittlerweile ganz andere filmische Vorbilder herum. Die Thunderbolt-Philosophie ist eigentlich die, zwar sehr viel Fantasy und SF zu produzieren, dabei Genregrenzen aber geflissentlich zu ignorieren.

Klar war auch, dass es sich um eine Story mit leicht parodistischen Elementen handeln sollte, wobei wir aber von einer typischen Genreparodie von vornherein absahen. "Scary Movie" und "Die nackte Kanone" gab es schon und zudem schossen wir uns plötzlich auf eine ganz andere Idee ein: Ein mystisches Roadmovie sollte es sein, ein Film abseits von allem, was man aus der SF-Szene üblicherweise erwarten würde. Auch die beiden Hauptakteure standen bereits fest. Die ganze Geschichte sollte sich um die beiden von Uwe und mir bereits im ersten Thunderbolt-Film verkörperten finsteren Gestalten drehen, die wir scherzeshalber noch immer als MiBs bezeichneten.

Die Art einer Story voraus zu planen ist eine, sie zu schreiben aber eine ganz andere Sache. Nach einigen Diskussionen des harten Kerns, entwickelten Uwe und ich an einem kreativen Nachmittag schließlich das Konzept und die Geschichte. Tatsächlich kam dabei eine Art Mystery-Krimi heraus, der unseren Vorstellungen entsprach. An jenem Nachmittag sonderte ich auch einen der längsten Monologe des Films ab, den ich mir im wahrsten Sinne des Wortes selbst in den Mund legte - peinlich übrigens, dass ich ihn mir, obwohl ich ihn selbst geschrieben hatte, nie wirklich wortgetreu merken konnte. Die beiden MiBs bekamen, neben leicht verbessertem Outfit nun auch Namen. Bukowsky und Ratzinger würden sie von jetzt an heißen.........

Im Laufe der nächsten Wochen und Monate nahm auch das Team mehr und mehr Gestalt an. Wichtig zunächst eine weibliche Hauptdarstellerin, die wir in Britta Peper fanden, unserer Ansicht nach die perfekte Verkörperung einer etwas dubiosen Informantin mit seltsamen Fähigkeiten. Auch einen echten Regisseur konnten wir auftreiben. Lars Fischer hat zwar in seinem Leben noch nie Regie geführt, versteht es aber den Part einer Hollywood-Regiestuhlgrösse überzeugend zu verkörpern. Ich würde ihn sogar als natural born director bezeichnen. Eigentlich erwartet man vom ihm in Anbetracht seines traurigen Gesichtsausdruckes ständig Sätze wie : "Ich kann so nicht arbeiten" oder "Valium, gebt mir Valium und dann erschießt erst diese Dilettanten und dann mich."

Er und Uwe waren es, die das Drehbuch schließlich konkret in Wort und Szene umsetzten, wobei sie sich sehr genau an das ursprüngliche Konzept von Uwe und mir hielten. Nur noch ein kleiner Teil der Dialoge stammt von mir, allerdings dienten einige meiner Ansätze als Ideen für die jetzige Version.

Irgendwann im Herbst ging es dann endlich los. Wir drehten die ersten Szenen von "between the line", dem neuen, größeren, tolleren Thunderbolt-Video Projekt. Drei oder vier Sonntage hintereinander boten wir Spaziergängern im Gelsenkirchener Stadtgarten ein besonderes Schauspiel. Gern behaupteten wir laut, hier die Außendrehs für einen Pornofilm zu machen, oder gaben uns als Team des Gelsenkirchener "Tatorts" aus. Öfter wurde tatsächlich nachgefragt, wann das ganze den im Fernsehen zu sehen sei. Immerhin rotierten bei den ersten Drehs fast zehn Personen um die Szene und wir hatten Kamerastativ und Mikrofongalgen im Einsatz.

Amüsant auch die Aufnahmen vor einem öffentlichen Gebäude, ebenfalls in Gelsenkirchen, dessen Säuleneingang unseren Regisseur von seiner Qualität als Drehort überzeugt hatte. Man stelle sich Uwe und mich mit Sonnenbrillen auf der Nase in einem BMW mit laufendem Motor vor dem Gebäude vor, auf der anderen Straßenseite eine laufende Kamera.

Eine Polizeistreife fuhr etwa viermal an uns vorbei, bevor man schließlich anhielt, um nachzufragen, ob das Finanzamt wirklich im Bild sein müsste. Regisseur Lars löste das Problem souverän und verwies dazu auf die einzigartige gothische Komponente der Amtsarchitektur, die so hervorragend für diese Szene geeignet sei.

Überhaupt gewöhnt man sich bei dieser Arbeit schnell an befremdete oder amüsierte Blicke. Doch große Kunst verlangt Opfer................Nachdem man uns wieder auf freien Fuß gesetzt hatte, machten wir dann auch sofort weiter. Nein, nur ein Scherz. Die Polizei hatte natürlich nichts weiter gegen unsere Dreharbeiten einzuwenden.

Die Dreharbeiten teilen sich insgesamt in drei große Blöcke auf. Zunächst die Szenen mit den Hauptdarstellern, die als zusätzliches organisatorisches Problem meist auch den blauen BMW erfordern, der Bukowsky und Ratzinger als fahrbarer Untersatz dient. Martin Patzke, der Besitzer des Vehikels, muss darum also fast jedes Mal seine kostbare Freizeit opfern, sobald ein Dreh angesetzt ist. Aus "Dankbarkeit" mißbrau........rekrutierten wir ihn deswegen als Nebendarsteller und als Kameramann. Vor allem in dieser Funktion hat er sich mittlerweile bei einigen sehr dynamischen Szenen bewährt. Die Kamera führten aber auch bereits Heike Hohl, Ludger Otten, Simone Wujczynski und Sandra Post und auch sie leisteten dabei sehr gute Arbeit.

Der zweite große Block besteht aus Szenen der anderen Handlungsebene, über die ich hier nicht viel verraten möchte, um die Pointe nicht vorweg zu nehmen. Organisatorisch wichtig ist für uns dabei aber, dass diese Szenen nur einen Schauspieler und nicht die gesamte Crew erfordern.

Block drei besteht ausschließlich aus Außenaufnahmen, die den Wagen bei Vorbei- und Durchfahrten zeigen. Nun, wir drehen eben ein Rodmovie und da braucht es jede Menge Road. Auch diese Szenen sind für uns sehr viel leichter zu organisieren.

Mittlerweile haben wir einen Großteil des ersten Blockes und damit deutlich über fünfzig Prozent des ganzen Filmes abgedreht. Das vorliegende Material haben wir bereits in einer Rohversion zusammengeschnitten und sind vom bisherigen Ergebnis absolut überzeugt. Allein die Bildqualität durch Verwendung einer digitalen Videokamera bedeutet einen Evolutionssprung im Vergleich mit dem ersten Thunderbolt-Video. Durch das Zusammenspiel von geeigneter Software und Videohardware können wir praktisch professionell schneiden und eine saubere Nachbearbeitung ist möglich. Aber auch die Dramaturgie und künstlerische Performance haben sich mittlerweile deutlich verbessert. Natürlich würde es immer noch nicht für eine Soap-Opera reichen - selbst unser Kamerastativ hätte als Seriendarsteller ein zu großes schauspielerisches Spektrum um jemals gecastet zu werden, von uns begnadeten Schauspielern mal ganz abgesehen.

Übrigens gibt es bereits einen ersten Trailer auf der Thunderbolt-Homepage und natürlich auch hier auf Sublevel12.

Das gesamte Team sehnt im Moment den Augenblick herbei, in dem wir zum ersten Mal den fertig geschnittenen Film sehen werden - mit der Musik von Lars Fischer, seines Zeichens nicht nur hervorragender Regisseur, sondern auch Musiker. Wir hoffen, dass es Ende dieses, Anfang nächsten Jahres soweit sein wird. Zwar steht dann noch einiges an Nachbearbeitung an, der sich vor allem Uwe - es heißt nicht umsonst "Post"-Production - und Lars widmen werden. Doch mit dem fertigen Werk vor Augen und in Reichweite, dürfte das eine durchaus spaßige Arbeit werden.

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