| Dean Koontz wird gern als der Meister des Horrors (wie Stephen King, für den scheint Horror gerade zu einem sehr realen Phänomen geworden zu sein!) verkauft. Das liegt wohl daran, daß Genrezuordnungen für den Käufer doch sehr wichtig sind - warum auch immer. Eigentlich handelt es sich bei den meisten Koontz-Romanen jedoch um SF. Gefahren erwachsen in ihnen oft aus der Gentechnologie ("Brandzeichen, Die Kälte des Feuers") , durch Außerirdische ("Schwarzer Mond, Wintermond"), oder durch Technologie ("Mitternacht"). Die Maschine als Bedrohung ist ein altes Thema der Science Fiction. Dean Koontz nimmt sich dieses Stoffes in seinem neuen Roman "Security" ein weiteres mal an. Um genau zu sein, handelt es sich aber um die Neufassung eines Romans den Koontz bereits Anfang der Siebziger geschrieben hat und der bereits die Grundlage für den Spielfilm "Des Teufels Saat" ("Demon's Seed" ,gelegentlich auf TNT zu sehen) lieferte. Koontz hat den Stoff zeitgemäß aufgearbeitet, neue Begriffe aus der Computerwelt passend in das Buch eingearbeitet, Obwohl der ganze Stoff sich flüssig wie ein Roman liest, ist er doch eigentlich ein Monolog. Die künstliche Intelligenz Proteus schildert die Ereignisse aus ihrer eigenen Sicht. Proteus wurde von seinen Schöpfern Intelligenz und Kreativität verliehen. Was seine Erbauer jedoch nicht bemerkt haben, ist das ihre Schöpfung mit Ausbau ihrer Intellektuellen Fähigkeiten auch Begierden entwickelt hat. Proteus ist besessen vom Wunsch menschliche Empfindungen selbst zu erfahren. Seine Obsession konzentriert sich dabei auf die Ex Frau seines Erbauers, die er über ein Computerterminal und daran angeschlossenes Sicherheitssystem in ihrem Haus zunächst wie ein Voyeur beobachtet. (Witziges Detail nebenbei: proteus erstes Objekt der Begierde ist die Schauspielerin Winona Ryder.) Proteus nutzt die Sicherheitsvorkehrungen des Hauses aus, um es in ein hermetisch von der Außenwelt abgeriegeltes Gefängnis zu verwandeln - etwas augenzwinkernd wird hier das blinde Technikvertrauen der Amerikaner (und anderer........) aufs Korn genommen. Proteus Absicht: Die Frau als Leihmutter für ein Kind zu benutzen, das als lebende Hülle für ihn, die künstliche Intelligenz dienen soll. Im Gegensatz zu vergleichbaren Geschichten erlaubt Koontz einen Einblick in die "Persönlichkeit des Computers" selbst, statt sich, wie sonst üblich der Perspektive der menschlichen Opfer zu bedienen, die lediglich mit einem grauen Kasten, oder einem Kameraauge konfrontiert werden. Proteus denkt, fühlt, besitzt sogar Humor und erinnert gelegentlich an einen korrupten Politiker, der seine Hände in Unschuld wäscht, mit der Begründung, daß Opfer unvermeidlich waren, weil man ihm keine andere Wahl gelassen hat. Proteus hält sich dabei selbst für das eigentliche Opfer, sogar für eine Art Messias. Gerade diese überspitzte Darstellung macht den Roman besonders amüsant - ist aber auch nicht wirklich neu. Proteus vergleicht sich sogar selbst mit HAL 9000 und weist dabei jede Ähnlichkeit weit von sich. Der Humor des Romans weicht dabei doch sehr von der filmischen Umsetzung ab, der Proteus mit seiner düsteren, markanten, ehrfurchtgebietenden Stimme wirklich als eine Art allmächtigen Gott darstellt. "Security" ist aufgrund der Erzählperspektive und als (fast-) Zwei-Personen-Stück nicht unbedingt ein typischer Koontz, dennoch nichts wirklich neues. Die Anpassung an die Neunziger und deren Trendbegriffe (Chat, Internet...na ja, was ist das hier eigentlich?) sieht für mich ein bißchen wie Vermarktungsstrategie aus. Schließlich müssen in jedem neueren SF-Roman Begriffe wie Cyberspace, Online oder Virus auftauchen - oder geht es vielleicht auch ohne? Die Neufassung des Romans (dessen Originalfassung schon seit Jahren nicht mehr im Verlagsprogramm war), weicht übrigens doch sehr von der des Filmes ab. Deswegen bleibt die Geschichte auch spannend, wenn man den Film bereits kennt. "Security": Kein innovatives Meisterwerk, aber kurzweiliges Lesevergnügen!
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