Es war schon cool...
von Thorsten Küper
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Als
Physiker sollte einem in Anbetracht des Bochumer Radoms wohl irgendwas
Wissenschaftliches durch den Kopf gehen. Immerhin stehe ich hier vor
einer der Empfangsstationen, die 1969 von der NASA zur lückenlosen Überwachung
der Mondflüge zu einem globalen Netzwerk Mike Hillenbrand, Hintermann des Corona-Magazins - das er im Lauf des Abends immer wieder erwähnen wird, freilich nur dann, wenn er gerade nicht über sein Buch spricht - hat, wie er mir erzählt, anlässlich einer Feier im Radom die Idee gehabt, dass dies hier genau das richtige Set für ein Science Fiction Event wäre. Damit ist er übrigens nicht der erste, denn auch Uwe Post und ich hatten schon vor geraumer Zeit denselben Einfall. Tatsächlich erzählt man mir später, dass bisher noch nie jemand im Radom eine solche Lesung gemacht hätte. Kein Wunder eigentlich, denke ich, denn anscheinend hat von den drei Autoren, die wir in Deutschland sonst noch haben, noch keiner den Drang verspürt, mitten in der Bochumer Walachei zu lesen -ohne zu ahnen, was er dabei verpasst. Draußen ist das Radom cool, drinnen wird es cooler. Das liegt nicht nur an der wirklich abgefahrenen Luftschleuse, die man passieren muss, um ins Innere der Kuppel zu gelangen. Die wird nämlich nicht etwa durch eine Stahlkonstruktion gehalten - die die Radioschüssel abschirmen und so unbrauchbar machen würde - sondern allein durch erhöhten Luftdruck. Wer in die Schleuse eintreten will, muss erst eine Klappe aufdrücken und so den Luftdruck an den Außendruck anpassen. Innen tut man dasselbe noch mal, um die Schleuse auf das in der Kuppel herrschende Druckniveau zu bringen. So kommt nicht nur Druckgefühl in den Ohren auf, sondern gleich auch das passende Spacefeeling. Ich fühle mich tatsächlich an eine Szene aus meiner Story "Neum…" erinnert. Im
Radom selbst erwartet den Besucher neben der imposanten 20 Meter durchmessenden
Es
ist kurz nach 15 Uhr und bis zum Beginn der Veranstaltung um 19 Uhr
bleibt noch einiges zu tun. Mike und Christian werkeln an der Verkabelung,
während ich mich dann und wann am Podium warm rede - was eigentlich
nicht nötig ist, denn als Lehrer rede ich seit fünf Jahren ohne Unterbrechung
mindestens 6 Stunden am Tag in Vortragslautstärke und oft auch noch
wesentlich lauter. Zwischenzeitlich kann ich es mir nicht verkneifen,
Mike Hillenbrand gegenüber augenz Was uns in den nächsten Stunden bevorsteht, ist die obligatorische Zerreißprobe für Autorennerven - okay so ganz stimmt das nicht. Ich hab`s nur so formuliert, damit der Text etwas spannender wird. Aber kribbelig sind wir schon, denn noch wissen wir nicht, ob irgendjemand außer uns zum Radom kommen wird. Wenn es um Science Fiction Stories geht, muss man leider damit rechnen, dass Sitze auch mal leer bleiben. Zwischen 17 und 18 Uhr hole ich noch schnell zwei gute Freunde ab - oder wie ich auch gern sage: Das künstliche Publikum. Nur für den Fall, dass sich keine freiwillige Zuhörer einfinden und wir auch mit Waffengewalt nicht genug "Begeisterte" zusammentreiben können.. Als wir kurz vor sieben wieder am Radom ankommen, scheinen sich meine Befürchtungen zu bewahrheiten. Der Parkplatz sieht ungefähr genau so aus, wie um 15 Uhr: leer. Dann
Erleichterung: Immerhin haben sich in der Kuppel die ersten Zuhörer
eingefunden. Auch die angekündigten Mitautoren sind mittlerweile eingetroffen.
Hände werden geschüttelt, ein bisschen Small Talk gemacht, es werden
Witze gerissen - und dabei sehen sich die Stars des heutigen Abends
immer wieder unauffällig um, zählen insgeheim, wie viele Besucher denn
nun gekommen sind. Um 19 Wir
beschließen, den Beginn der Veranstaltung um 20 Minuten zu verschieben,
warten auf die Menschenmasse, die sich endlich draußen vor der Schleuse
versammelt. Sie kommt nicht. Nein, die oft beschworene Völkerwanderung
bleibt aus… Das ist auch gar nicht nötig, denn Den Anfang macht Frank Hebben mit seiner Story "Fromme Küchengeräte". Damit liefert er gleich ein humoristische Highlight, auf das er gemeinsam mit Uwe Post in der szenischen Lesung "Das wird teuer" noch einen draufsetzt. Anschließend liest Uwe Post seine mit dem William Voltz Award ausgezeichnete Story "edead.com" - für mich eine der besten Geschichten, die er je geschrieben hatte, wirklich ein echter Brüller angereichert mit erlesenstem Zynismus und schwarzem Humor. Das Trio Infernal wird mit meiner Person komplettiert. Passend zum Weltraumambiente habe ich mich schon vor Wochen entschlossen, eine ältere Geschichte zu lesen. Leider reicht die Zeit nur für einen Ausschnitt von "Neum…", die im c`t Magazin erschienen ist. Im Hintergrund läuft dabei eine Computeranimation, die Ludger Otten noch in der letzten Woche für mich angefertigt hat. Auch meine Lesung geht glatt über die Bühne, etwas unzufrieden bin ich nur, weil ich versäume, den Zuhörern vorher einige Informationen über die Hintergrundgeschichte meines Textausschnittes zu geben. Natürlich lässt es sich Mike Hillenbrand, der den heutigen Abend organisiert und moderiert nicht nehmen, auch ausführlich über sein Buch "Dies sind die Abenteuer von…" zu berichten. Er trägt, wenn ich das richtig verstanden habe, aber keine Ausschnitte daraus vor, sondern zwei Anekdoten über Interviews die auf Star Trek Conventions geführt hat. Definitiv nicht mein Metier, trotzdem mit ein paar interessanten Einblicken ins Congeschehen - wo einige Darsteller manchmal nicht zögern, den erleuchteten Fans, die nackte Wahrheit ins Gesicht zu sagen: "Die Star Trek Macher wollen eure Kohle, das ist alles." (Trifft
übrigens auch auf deutsche SF-Autoren zu, meine Kontonummer steht am
Ende des Textes. Man darf mir aber auch gern Laptops oder an Die Science Fiction Lesungen rundet Achim Hiltrop schließlich mit zwei Ausschnitten aus "Rettungskreuzer Ikarus" ab. Achim erweist sich als hervorragender Leser. Dabei hat er dasselbe Problem wie ich, muss er sich doch auf zwei kurze Auszüge beschränken. Den Abend klingt aus bei einem Vortrag von Thilo Elsner und Nicole Sehrig über die Arbeit der Sternwarte Bochum, bei dem die beiden Bilder aus dem Weltall präsentieren. - offen gestanden bin ich zu diesem Zeitpunkt aber schon auf dem Weg nach Hause - mit dem guten Gefühl, dass wir eine coole Show geboten haben. Daran habe ich keinen Zweifel. Gedanken
mache ich mir jetzt gerade über eine ganz andere Sache. Wer sich im
Radom umschaut, findet dort ein komplettes kleines Stück Mondlandschaft.
Irgendwie überkommt mich gestern in der Pause beim Anblick der alten
Kulisse ein seltsames Gefühl Dieser Schuhabdruck im Plastikmondstaub
sieht genau so aus, wie der, den Neil Armstrong angeblich auf dem Erdtrabanten
hinterlassen hat. Na gut, ich geb`s zu: Den Alten habe gerade ich erfunden, ebenso seine nostalgischen Erinnerungen ans "Fässchen" und die drei Amis. Man ist eben Autor. Aber wer weiß. An einem so coooooolen Abend könnte eigentlich alles möglich sein.
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