Drehbuch: Herr J.
von Thorsten Küper
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1.) Innen, Nachmittag. Halbdunkel, Schatten. Herr J. steht am Fenster und späht durch den geschlossenen Vorhang. Er ist sichtlich nervös, beunruhigt, lauert. 2.) J geht in seiner Wohnung auf und ab, erschrickt, wenn er ein Geräusch im Treppenhaus hört. 3.) J. kauert auf dem Sofa vor seinem Fernseher. Gelegentlich huscht sein Blick zum Fenster. Er beginnt einzunicken. Überblendung: J. schlafend auf dem Sofa. 4.) Großaufnahme J. schlafend, den Mund etwas geöffnet. Es klingelt. J. erwacht nicht. Es klingelt noch einmal. J. zuckt. 5.) Das Fenster hinter J.`s Sofa. Es klingelt erneut, diesmal lang und fordernd. J erhebt sich ruckartig (Kopf direkt vor der Kamera). Er ist zerzaust verschlafen, seine Augen sind vor Panik geweitet. 6.) J.`s Tür. Sie öffnet sich einen spaltweit. 7.)
Eine Frau (Uli) mit Sonnenbrille. Sie betrachtet J. über den Rand der
Brille hinweg. Frau Du hast es ja bisher nicht über dich gebracht, mir einen Schlüssel zu geben. 8.) J. nickt langsam. Noch bevor er reagieren kann, wird er mitsamt der Tür zur Seite gestoßen. 9.) J zur Seite gedrängt, die Frau geht an ihm vorüber, ohne ihn näher zu betrachten 10.) Im Vordergrund J immer noch an der Tür im Hintergrund Uli, die sich auf einem Sessel niederlässt. Sie blickt ihn auffordernd an. Er schließt die Tür vor der Kamera 11.) Bleibt, Uli unsicher begutachtend, neben dem Sofa stehen. J. Wie war`s? Uli
auf dem Sessel winkt ab, schweigt. Schüttelt den Kopf. Uli Werden das jede Woche mehr Leibwächter, oder bild ich mir das ein? J Hab mir wie immer Sorgen gemacht. Uli Das Thema steht auf dem Index, Süßer. (sieht an ihm herunter) Wie siehst du überhaupt aus? J Ich hab auf dich gewartet. Uli Du und Jim? (Jim Beam auf dem Tisch.) J Ich dachte, es hätte dich…auf dem Teppich ist ja Blut!!! Uli Das gehört zu meiner Arbeit dazu. (Zieht Waffen aus der Jacke, legt sie auf den Tisch.) J Und ich hatte dich gebeten, die Dinger nicht auf den Tisch zu werfen. Die Kratzer… Uli Du hast was feminines, hat dir das schon mal eine Frau gesagt. J Und du hast ein Waffenlager unter meinem Bett angelegt -in meiner Wanne liegen drei Maschinenpistolen, Revolver in meinem Herd, und in meinem Kleiderschrank so was wie ein Raketenwerfer, meinem… (Einschub: J stößt mit betretenem Gesicht auf eine Waffe in der Besteckschublade) Uli Ich kann mit den Dingern nicht immer quer durch die Stadt fahren. Hier sucht sie garantiert keiner. J Ich habe Landminen im Kofferraum meines Benz!!!! Uli Du solltest Auffahrunfälle vermeiden, glaub mir. J Dieses neue Blumenbeet in meinem Garten. Worauf stoße ich, falls ich es mal umgrabe? Uli Lass es mich so sagen: Es entsprach durchaus der Wahrheit, als ich behauptete, die neue Küchenmaschine sei kaputt gegangen, als ich damit Fleisch zerkleinerte. Es waren ziemlich viele Knochen drin. J Und der Fleck an der Küchendecke? Uli (schüttelt bedauernd den Kopf) Keine Spaghetti Bolognese J (angewidert) Aus meinem Keller kommt so ein süßlicher Duft. Uli Upss, die Dame da unten hatte ich ganz vergessen. J Genau wie Klaus Kopf. In meinem Kühlschrank. Uli (grinst) Ich
hab dich übrigens dabei beobachtet… J Wobei? Uli Dass du den Kühlschrank aufmachst und mit ihm redest, dich bei ihm entschuldigst. (Einschub: J öffnet Kühlschrank, der Kopf in der Plastiktüte fällt heraus) J Klaus war ein Kollege. Uli Er war ein Arsch und er hätte dich fast deinen Job gekostet. In deinem Kühlschrank macht er sich viel besser, als in deinem Büro. J Sein Kopf hat Gefrierbrand. Uli Als ich mir neulich einen Yoghurt raus nahm, dachte ich, das sein in Ekzem. Schätze, wir sollten das besser keinem Hautarzt zeigen, was meinst du? J Tüte ihn morgen ein und schaff ihn weg. Und auch dein ganzes Zeug. Pistolen, Granaten und ganz besonders die Landminen. Der Benz muss zum TÜV. Uli Ich weiß gar nicht, wozu ich dieses High Tech -Zeug sammle. Automatische Waffen, Laserzielsucher, Minen, ein kleiner Raketenwerfer. Weißt du, wie ich den Typen heute erledigt habe? Als ich den letzten seiner Leibwächter umgelegt hatte, war meine Munition alle. Ich konnte nur noch wählen, zwischen `nem Päckchen Tic Tacs, einem Labello, `ner Schachtel Tampons und meinem Kugelschreiber. J (Sieht sie angewidert an, schweigt) Uli Erst
hab ich ihm die Zahnprothese zertrümmert. Er bekam die Stücke in den
Hals J (Empört, zutiefst beleidigt) Das hast du mit Absicht gemacht. Uli (boshaft lächelnd) Es sollte keine Anspielung darauf sein, dass du Staatsanwalt bist. Er war selber Anwalt, solche Leute haben einen Hang zu Plunder dieser Art. J Hättest du nicht was anderes nehmen können? Ne Bratpfanne vielleicht? Uli Es war ein Büro, keine Küche. J Du hast mir das erzählt, um mich zu demütigen. Uli Du bist ein Sensibelchen. Das fand ich schon immer süß. J Ich habe darüber nachgedacht, ob wir uns trennen sollten. Uli (ist die Erschütterung anzumerken, sie zögert.) Von dem vorhin wollte sich auch jemand trennen. J Drohst du mir etwa gerade? Uli Ich bin eine Profikillerin, schon vergessen? J Du würdest mich nicht umbringen… Uli Nein, vielleicht würde ich mich stellen und der staunenden Justiz dich als meinen Komplizen vorstellen. Stell dir mal die Schlagzeile vor: "Der Staatsanwalt und die Killerin! Verbotene Liebe." J (ist offensichtlich bestürzt, geht zur Vitrine, um sich einen Drink einzuschütten) Wie konnte ich mich ausgerechnet in dich verlieben? 12.) Uli auf dem Stuhl, der Kamera den Rücken zugewandt. Uli Wir arbeiten in derselben Branche: ausgleichende Gerechtigkeit. 13.) Nahaufnahme J. Er fixiert Uli, die mit dem Rücken zu ihm sitzt. 14.) J mit einem Nudelholz hinter Uli. Er holt zum Schlag aus, lässt das Holz herunter krachen. 15.) Nahaufnahme J, eröffnet die Augen, schüttelt den Kopf geht ab. 16.) J in der Küche, an die Wand gelehnt, den Kopf schüttelnd. 17.) J mit einer Schlinge hinter Uli. Er legt sie ihr um den Hals. 18.)
Kamera im Schrank. Die Tür wird von außen geöffnet. J steht davor, tastet
in dem Schrank herum, ergreift einen Gegenstand, er hält ihn hoch. Es
ist ein Dosenöffner. Es folgt eine Reihe weiterer Gegenstände. 18b) J öffnet den Kühlschrank. Oben liegt Klaus Kopf. J betrachtet ihn, öffnet gerade den Mund, um sich wie gewöhnlich bei seinem ehemaligen Kollegen zu entschuldigen. Uli aus dem Off: Untersteht dich, den Schädel wieder um Verzeihung zu bitten. J hebt mit entschuldigendem Gesichtsausdruck die Schultern, schließt die Kühlschranktür, um dann zornig in Richtung Wohnzimmer zu blicken. 19.) Halbtotale J vor dem Kühlschrank, er blickt nach links in Richtung Kamera. 20.) Messer auf der Anrichte. 21.) Geht zur Anrichte, ergreift Messer, dreht sich um. Hält es in die Kamera. Es ist erschreckend groß. Sein Gesichtsausdruck ist entschlossen 22.) J blickt lauernd um den Rahmen der Wohnzimmertür herum. Seine Gesichtszüge entgleisen. 23.)
Das Zimmer ist perfekt für ein Candlelight-Dinner vorbereitet. Uli lächelt
ihm 24.) J tritt in den Raum ein, hält das Messer hinter dem Rücken. 25.) Beide gehen aufeinander zu, lächeln einander an. 26.) a) J von hinten. Er hält das Messer hinter seinem Rücken versteckt. b) Uli von hinten, hält eine Pistole hinter dem Rücken versteckt. 27.) Beide einander gegenüber - es sieht aus, als wollten sie sich küssen. 28.) a) Nahaufnahme: J umklammert das Messer fest. b) Nahaufnahme: Uli hebt langsam die Waffe. 29.) Beide heben blitzartig die Waffen. J hält das Messer an Ulis Hals. Uli hält die Waffe an J`s Stirn. 30.) Uli blickt J tief in die Augen. 31.) J blickt Uli tief in die Augen. 32.) Uli Ich bin verrückt nach dir 33.) J (atemlos) Du machst mich rasend. 34.) Die beiden nähern sich einander zum Kuss. Lautes Klopfen an der Tür, Hubschrauberlärm. Megaphonstimmen. 35.) J (zur Tür blickend) Ich hole den Raketenwerfer. Uli (ebenfalls in Richtung Tür schauend) Und ich die Maschinenpistolen. Dass man nicht einmal einen schönen Abend zu zweit verbringen kann…
ENDE
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