L 315

von Thorsten Küper

 

Das letzte Wochenende hätte ich genauso gut im Big Brother Dorf verbringen können. Ich habe den größten Teil davon sowieso vor Kameras gestanden. Nachdem ich am Samstag in der Verfilmung von Christian Günthers Story "Schattierungen von Düster" mitgespielt hatte, stand am Sonntag endlich der Dreh von "L315" auf dem Programm. Die Idee für diesen Kurzfilm hatten Uwe Post und ich schon im letzten Jahr, aber erst jetzt war es möglich, alle wichtigen Darsteller unter einen Hut zu bringen.

Kleine Anekdote nebenbei: Vor zwei Wochen hatten Uwe und ich gut hundert Kilometer zurückgelegt auf der Suche nach einem geeigneten Drehplatz - um uns dann für einen Platz nur wenige hundert Meter von meinem Haus entfernt zu entscheiden.

Um der obligatorischen Flut von Fußgängern am Sonntag zu entgehen, hatten wir uns bereits mitten in der Nacht um 11 Uhr bei mir getroffen. Regie führte Uwe Post, an der Kamera und als Darstellerin war zum ersten Mal Svenja Wendler dabei, sowie unsere Schauspielertruppe bestehend aus Biance Franke, Peter Eberst und mir.

Neben diversen Insektenattacken hatten wir an diesem Sonntag vor allem Probleme mit dem Wetter. Ständige Lichtwechsel sobald sich Wolken vor die Sonne schoben oder verschwanden ruinierten mehr als einen Take. Auch die unvermeidbaren Autos, Spaziergänger, Radfahrer und Reiter trugen ihren Teil dazu bei, die Dreharbeiten nicht unnötig zu vereinfachen. Man sollte eigentlich mal so eine Art Dummyfilmdreh inszenieren, der nur dazu dient, das Verhalten der Passanten zu filmen. Manch einer trottet mit treudoofem Blick in Zeitlupe durchs Bild, oder gestattet es Waldi, Kamera und Darsteller erstmal ausgiebig zu beschnuppern. Da ist Geduld gefragt, sowohl von Regisseur und Kamerafrau, als auch von den Schauspielern.

Unser neuer Mitspieler Peter Eberst, bewies schnell seine darstellerischen Qualitäten. Wie erwartet, müsste man hinzufügen, schließlich ist er der einzige echte Profi unseren Reihen. Biance Frankes und seine Verkörperung eines ziemlich angenervten Pärchens kurz nach dem Coitus Interruptus sieht für mich sehr gelungen aus. Für Svenja Wendler war es diesmal zwar eine etwas kleinere Rolle, dafür agiert sie souverän als Kamerafrau.

Meine Rolle ist auch nicht die größte, ich bin hauptsächlich dazu da, am Auto herumzuschaukeln, damit es so aussieht, als wäre darin ein Pärchen…ähh…gesellig. Na ja, ein paar Sätze habe ich auch noch.

Nach stattlichen vier Stunden ist der rund fünf Minuten lange Film abgedreht. Keine Minute zu früh, denn genau in diesem Augenblick beginnt es zu regnen.

Den Rohschnitt hat Uwe bereits am Abend fertig gestellt. Mein erster Eindruck: Wir können damit sehr zufrieden sein. Für mich steht L315 ein bisschen in der Tradition des Loriotschen Sketches - wenn sich der Meister wohl auch nicht zu einer so derben Pointe hätte hinreißen lassen.

Einen Teaser kann man sich mittlerweile auch auf der Seite des Thunderbolt ansehen.