|
"Gladiator" USA 1999 Regie:Ridley Scott D:Russel Crowe, Joaquin Phoenix, Oliver Reed, Richard Harris..
|
Ins alte Rom führt uns "Gladiator", mitten hinein ins Getümmel der Gladiatorenkämpfe, jener Form von Unterhaltungsshow aus der sich später die weitaus weniger unterhaltsame Sportschau entwickelt hat. Ganz ehrlich: Betrachtet man die spritzigen Showeinlagen von damals - rollende Köpfe, fliegende Streitwagen, halbierte Möchtegernamazonen, Sklaven als Tigersnacks - , so stellt sich dem geplagten Fernsehkonsumenten schnell die Frage, was aus der Unterhaltungsindustrie geworden ist...aber ich schweife ab. Maximus, oberster Feldherr des römischen Kaisers will nach seinem letzten Sieg in Germanien eigentlich nur eines: Zurück nach Hause zu Frau und Kind. Doch der römische Kaiser hat andere Pläne. Statt des eigenen reichlich mißratenen Sohnes Commodus will er Maximus zu seinem Nachfolger ernennen. Filius ist darüber natürlich wenig entzückt und ermordet Papa Kaiser. Maximus, der durchschaut, das der Tod des Kaisers nicht so ganz natürlich war, verweigert Commodus die Loyalität, woraufhin der ihn hinrichten lassen will, was - der Zuschauer ahnt es schon - natürlich schief geht. Maximus gelingt es sich schwer verletzt nach Hause durchzuschlagen. Doch Commodus hat seine Familie bereits ermorden lassen... Als Maximus aus seiner Bewußtlosigkeit erwacht, findet er sich in einer Gladiatorenschule wieder. Aufgrund seiner Fähigkeiten als Soldat ist er dort seinen Gegnern überlegen und kehrt schließlich als Gladiator nach Rom zurück. Hier wird er schnell zum Star der Arena, den das Volk vor allem für sein respektloses Gebaren gegenüber dem Kaiser liebt. Commodus erkennt Maximus zwar wieder, aber dessen Beliebtheit macht es ihm unmöglich, ihn einfach ermorden zu lassen. Maximus Popularität wird zur wirksamen Waffe gegen den Kaiser... Diese knappe Zusammenfassung wird dem bildgewaltigen dreistündigen Epos "Gladiator" kaum gerecht. Regisseur Scott, SF-Fans vor allem bekannt durch "Alien" und "Blade Runner", macht Filme fürs Auge. Seinen Perfektionismus und seine Besessenheit außergewöhnliche Bilder zu zeigen machen auch "Gladiator" zu einem außergewöhnlichen Film. Sehr sehenswert ist schon allein die Schlacht in Germanien zu Beginn des Films und auch das dank Computeranimation wieder neu entstandene alte Rom ist phantastisch anzuschauen. Die Geschichte selbst ist nicht so außergewöhnlich, eine Variation des alten Westernthemas Rache. Aber bei Scott geht es weniger um die Geschichte selbst, als darum wie man sie erzählt. Bekannt ist zum Beispiel, daß der Alien Stoff einige Jahre unbenutzt herumlag, weil die meisten Regisseure ihn für zu altbacken und langweilig hielten. Was Scott daraus gemacht hat ist sicherlich einer der beängstigendsten Streifen der Filmgeschichte. Ein wenig störend sind die sehr schnell geschnittenen Kampfszenen. Es ist fast unmöglich die Duelle zu verfolgen. Ich nehme jedoch an, daß sich Scott dieser Schnitttechnik bewußt bediente um nachdrücklich darauf hinzuweisen mit "Gladiator" keinen Action-Film gemacht zu haben. Inwieweit solche intellektuellen Vorsätze lobenswert sind, darüber kann man sich streiten. Eine Freundin von mir beschwerte sich jedenfalls lauthals darüber, sie hätte das Gemetzel so gar nicht richtig geniessen können. Als Ausgleich kann "Gladiator" mit durchweg guten Darstellern aufwarten. Russel Crowe ("Maximus") würde ich als echten Glücksgriff bezeichnen. Sehr überzeugend wirkt er als Krieger, dem der Kampf zuwider ist. Joaquin Phoenix ("Commodus") spielt den verzogenen Kaisersohn herrlich zerrüttet und dekadent, fast schon ein wenig wie bei Shakespeare. Auch einige der "großen alten" finden wir wieder. Richard Harris und Oliver Reed geben sich die Ehre, letzterer übrigens in seiner letzten Rolle. Er starb noch vor Abschluß der Dreharbeiten, was eine Abänderung des Drehbuchs notwendig machte. Ursprünglich sollte sein Charakter nämlich den Film überleben. Und als Ruhrpottler läßt es mich natürlich grinsen auch Ralph Möller in der Arena zu sehen. Ich nehme jedoch an, daß es damals im Freibad in Recklinghausen nicht so hart zur Sache ging. Mein Resümee: Gerade für Freunde historischer Streifen ist "Gladiator" sicherlich ein Leckerbissen. Ich verabscheue Sandalenfilme, war jedoch von der ersten bis zur letzten Minute von Scotts Film gefesselt. Eines steht zumindest fest: Ob man's mag oder nicht, Gladiator ist mit Sicherheit der erste kommerzielle Filmhit dieses Jahres. |