"Game Over "

Phillip Kerr

Wunderlich Verlag

12,00 DM

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Abraham verwaltet den neuerbauten Firmensitz der Yu-Corporation. Er ist höflich, zuvorkommend, nahezu perfekt in der Bewältigung seiner vielfältigen Aufgaben. Ach ja, übrigens ist er ein Computer, aber niemand ist vollkommen.

Was bringt Autoren dazu immer wieder über ausrastende Großrechner mit biblischem Namen und Gottkomplex zu schreiben? Sind es jene einscheidenden Momente, in denen die Textverarbeitung vier prachtvolle DinA4 Seiten voller genialer Ergüße in den Orkus jenseits der Festplatte verstößt? Oder die gefressene Datei auf der Diskette? Wie auch immer. Abraham gehört zu eben jener Randgruppe psychopathischer - ich bin versucht Microsoftprodukte zu sagen - Rechner, die mit der Wahrnehmung ihres eigenen Bewußtseins schlicht und ergreifend überfordert sind. Doch hier vereinfache ich die Handlung zu sehr.

Abraham, der Zentralcomputer der Yu-Corporation ist darauf programmiert verbesserte Versionen von sich selbst zu entwickeln, die ihn, quasi als seine selbstgezeugten Nachkommen ersetzen. Durch einen dummen Zufall erschafft Abraham zu früh eine Weiterentwicklung seiner selbst, die aufgrund einiger dummer Mißverständnisse und der menschlichen Ignoranz gegenüber dem Kleingedruckten in der Bedienungsanleitung, ihre Hauptfunktion darin sieht, sich wie ein despotischer Gott aufzuführen.

Tja, hätte der Chefingenieur seinen kleinen Sohn besser doch nicht all die bösen Videospiele auf Abraham installieren lassen sollen. Isamel, so der Name von Abrahams Sprößling, verriegelt das Gebäude - und beginnt nun seinerseits ein reichlich hinterfotziges Spiel mit der Handvoll Besucher die sich kurz vor der Eröffnungsfeier dort versammelt haben. Da sterben Menschen durch explosive Dekompression, Stromschläge, Ertrinken, Chlorgas..,.nun Philip Kerr hat Freude am phantsievollen Morden und der geneigte Leser weiß das zu schätzen. Ein paar skurrile Seitenhiebe auf den in den USA aufkeimenden Feng Shui- Kult hier, Hardcore-Technik ala Michael Crichton dort und jede Menger zynischer Sprüche.

Übrigens: "Game Over" wurde bereits als Hörspiel im WDR ausgestrahlt.

Der Mensch und seine Angst vor der Maschine war schon das Thema vieler gelungener und weniger gelungener Stories dieser Art. Mich erinnert "Game Over" sehr stark an den Dick Maas Film "Fahrstuhl des Grauens", oder an Prometheus aus "des Teufels Saat" (eine Dean Koontz -Verfilmung).Nichtsdestotrotz gelingt Kerr eine eigenständige, neue Geschichte, die das Interesse wach hält. "Game Over" ist spannend und amüsant, ein sehr empfehlenswertes Buch.

 

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