Lesung auf dem Darksidecon - oder auch nicht...
von Thorsten Küper
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Wir
waren uns der Aussichtslosigkeit unserer Aktion durchaus bewusst. Trotzdem
hegten wir gewisse Hoffnungen, dass unsere Mission vielleicht doch von
Erfolg gekrönt sein würde. Und sei es nur ein kleiner. Ein schmaler Leuchtstreifen
am Horizont der deutschen Literaturszene, der uns beweist: Da ist noch
Hoffnung. Es gibt potentielle Leser dort draußen.
Doch nach zwei Tagen auf dem Darksidecon in Witten steht für uns nun fest: Wir sind gescheitert! Star Wars Fans können oder wollen nicht nur nicht lesen, wenn es um Literatur außerhalb des Serienuniversums geht, sie sind auch nicht bereit zuzuhören, selbst wenn man ihnen eine Kurzgeschichte vorlesen will. Ich schreibe dies ganz ohne Vorwurf mit einem gütigen Schmunzeln, denn schließlich war mir das schon vorher klar. Dass
wir, Armin Rössler, Bernhard Weißbecker und meine Wenigkeit mit unserem
literarischen Programmpunkt auf dem Mediacon deplatziert sind, zeigt
sich deutlich scho Immerhin
hat der Darsteller ein gutes Dutzend Interessierter um sich scharen
können. Armins und meine Strategie ist es, genau dieses Publikum für
unsere unmittelbar darauf folgende Lesung festzuhalten. Doch Armins
Ankündigung unseres nun folgenden literarischen Intermezzos hinterlässt
in den Gesichtern der Anwesenden so tiefe Betroffenheit, dass er mit
einem leisen Seufzen hinzufügt. "Ihr müsst nicht bleiben." Erleichtertes
Keuchen ist zu hören, L Unsere zweite Lesung, die hiermit beendet ist, bevor sie beginnt. Bis
zur dritten Lesung um 19.30 Uhr bleibt mir nun jede Menge Zeit, um Conatmosphäre
zu schnuppern. Konsumbereit schlendere ich zwischen einem guten Dutzend
Ständen herum, werfe begehrliche Blicke auf Star Wars-Figuren und kaufe
mir beinahe einen Chewbacca dem eine winzige Version des 3D-Schachspieles
aus Teil 1 beiliegt. Doch irgendwie habe ich mein Erwachsensein noch
nicht überwunden und lasse das Portemonaie stecken. Dafür kann ich gemeinsam
mit Bernhard ein sehr interessantes Gespräch mit dem Macher der "Kriegerherzen"
führen. Einem Fantasyfilm, der von einer ziemlich ambitionierten Truppe
erstaunlich professionell auf verschiedenen Burgen in der Umgebung von
Siegen gedreht wurde. Am Abend vorher hatte ich mich bereits mit Ralf
Schuster, Hauptdarsteller und Macher bei den "Kindern der Nacht" unterhalten
können. Die beweisen, dass es möglich ist sowas wie "Blade" oder "Underworld"
auch mitten im Ruhrpott zu inszenieren. Was ich an Ausschnitten sah,
he Mein Hauptaugenmerk gilt natürlich den zahlreichen angereisten Hobbyjedis, die auf dem Con auf ihren schllimmsten Gegner in Gestalt weiß gepanzerter Sturmtruppen und eines unter der Maske erschreckend milchgesichtigen Darth Vader treffen. Scharmützel bleiben aus, statt dessen kippt man Seite an Seite fachsimpelnd Weizenbierchen oder mampft Brühwürstchen. Ich hätte einiges für ein Lasergefecht zwischen Bierstand und Würstchenbude gegeben, werde jedoch enttäuscht. Dafür erfülle ich mir einen Jugendtraum und lasse mich von Sturmtruppen verhaften. Schönen Dank an die beiden Herren von der 501sten, die bei der kleinen Insznierung mitmachen und mich stilgerechet abführen. Armin und Bernhard halten die Aktion mit ihren Kameras fest, ich freue mich bereits jetzt auf die Schnappschüsse. Hatte ich eigentlich schon mal erwähnt, dass kueperpunk auf zwöf Sternen zum Tode verurteilt ist? Ein
ganz besonderer Hit sind unter den Jedis übrigens die authentischen
Lichtschwerter, die wie ihre Vorbilder leuchten und beinm Einschalten
das entsprechende Geräusch von sich Manch
ein Kostümierter verzichtet für ein authentischeres Auftreten sogar
auf wichtige Utensilien. Auf und ab paradierende Jedis mit seltsam zusammengekniffenen
Augen haben die Brille lieber im Etui gelassen. Anscheinend ist die
Macht wirklich mit ihnen, denn keiner rennt gegen den Würstchenstand.
Ach ja…und einer der Con-Macher renntt zu fortgeschrittener Stunde in
einer Uniform herum, die ich keinem SF-Film zuordnen kann, die aber
sehr der eines Stewards vom Traumschiff gleicht. Er wollte übrigens
ums Verrecken nicht zur Lesung bleiben. Argumente: "Lesen kann ich selber
und zuhören will ich nicht". Ah ja, jetzt hab ichs: Nicht Traumschiff,
Loveboat, es ist die Uniform eines Lov Dann sind da natürlich noch die Stargäste. Ich mag sie nicht alle der Reihe nach aufzählen. Darunter befinden sich das Stand In Model von Hayden Christiansen, eine sehr hübsch anzuschauende Jedirittern, mehrere Puppenspieler, natürlich Rusty Goffe und ein 2,10 m großer Hüne - eigentlich Basketballspieler - der den Wookie General in Episode III spielt. Auf ihre Anwesenheit in einem kleinen Nebenraum werde ich erst aufmerksam, als ich durchs Fenster spähe. Ein drahtiger, freundlich dreinschauender Bursche bemerkt mich, winkt mir zu, deutet auf ein Bild von dem kleinen blauen Elefanten, der in "Rückkehr der Jediritter" in der Band mitspielt und ruft mir zu "that`s me". Aha, interessant. Mit welchem Teil seines Körpers er welchen Teil des Elefanten kontrollierte, demonstriert er mir zu meiner Erleichterung nicht. Ich traue mich auch nicht zu den Stargästen rein. Ehrlich gesagt fürchte ich, von dem riesigen Wookie-Darsteller dazu gezwungen zu werden jedem ein Autogramm abzukaufen - für 15 Euro pro Stück. Nein, Geld lasse ich keines auf dem Convention und bin damit wahrscheinlich der Albtraum jedes Händlers. Ich nehme an, die kennen mich schon von diversen anderen Cons und flüstern mittlerweile: "Was will er denn hier, kauft doch eh nix." "Ne, der liest immer nur." Apropos: Da steht ja noch eine Lesung aus, oder? Was soll ich viele Worte drum machen? Trotz verzweifelter PR-Aktionen, trotz persönlichen Ansprechens jedes Con-Besuchers, trotz Bitten und Betteln und kurzzeitigen Spiels mit dem Gedanken, Conans Bruder als Söldner zu mieten, der uns Zuhörer ins Studio 1 prügelt, bleiben die Reihen leer. Allein unser Publikum von der ersten Lesung ist wieder mit dabei. So wird es ein kleiner, ganz gemütlicher Vortrag im privaten Rahmen. Ärgern tut sich trotzdem keiner von uns. Auf einem Star Wars Con zu lesen war von vornherein ein Experiment. Spaß hatten wir trotzdem und um mehr geht es gar nicht. Was bleibt da noch zu sagen? Ah ja! Möge die Macht mit euch sein und ab und zu vielleicht mal ein Buch ohne X-Wing-Fighter auf dem Cover…
Die Bilder wurden freundlicherweise von Bernhard Weißbecker zur Verfügung gestellt. Vielen Dank und schöne Grüße. |