Die Entstehung einer modernen Legende - Wie Dr. Peter Clausen seinen eigenen Mythos schuf

von Rudolph Perük

 

Manche halten ihn für ein Genie, andere für einen publicitysüchtigen Esoterikpapst. Angesichts seiner bizarren Theorien über alternative Universen und Alieninvasionen fällt es schwer zu glauben, dass Peter Clausen ein hochbegabter Wissenschaftler war, bevor er in okkulte Wahnvorstellungen abdriftete. Völlig unbegreifbar für diejenigen, die ihn kannten, ist aber, dass er zum Mörder wurde.

Mit gerade einmal 38 Jahren hat er geschafft, was den meisten Wissenschaftlern verwehrt bleibt: Dr. Peter Clausen ist zum Mythos geworden. Aber nicht etwa, weil man ihm den Nobelpreis für seine Arbeiten verliehen hätte, oder weil seine Hypothesen so populär sind wie die eines Stephen Hawking. Womit sich seine Forschungen befassten, weiß eigentlich niemand. Erst recht nicht, ob er jemals eine ernstzunehmende Theorie entwickelte, oder verwertbare Resultate vorweisen konnte. Clausen war Exot, Exzentriker, ja manche behaupten sogar Extraterrestrier. Und im April 2004 wurde er mit großer Wahrscheinlichkeit auch zu einem Mörder.

Ein geachteter Wissenschaftler allerdings, das ist er nie geworden.

Dabei beginnt Peter Clausens Karriere mit einer viel versprechenden, von Experten hoch gelobten Promotion. In den folgenden sechs Jahre lang hört die akademische Welt nichts von ihm. Der Physiker veröffentlicht nicht eine
Clausen bei einem Interview zum Thema Kryptogrphie im Jahre 1994

einzige Arbeit, was beruflichem Selbstmord gleichkommt. Wo und ob er überhaupt arbeitet, davon weiß niemand etwas. Der begabte Clausen, der so viel hätte erreichen können, bleibt ein Noname.

Bis 2004. Da feiern plötzlich Spiritisten und UFO-Jünger sein Buch "Die Realität der Irrealität", mit dem sich der promovierte Physiker, lautstark über virtuelle Realitäten und Alieninvasionen fabulierend, als Esoteriker outet. Dass er sich damit dem Spott ehemaliger Kollegen aussetzt, scheint ihn nicht zu kümmern. Clausen geistert durch Talkshows und spiritistische Sitzungen, erntet Hohn und Schelte von Experten, taucht unter, wird vom Journalisten Adrian Hoffs aufgespürt. Ein verhängnisvolles Zusammentreffen. Hoffs letzte Videoaufzeichnungen zeigen einen verwirrten, mit einem Messer herumfuchtelnden Clausen. Nur wenige Stunden nachdem Hoffs diese Bilder aufgezeichnet hat, wird der Journalist tot am Drehort des Interviews aufgefunden - den belastenden Film noch immer in der Kamera.

Clausen wird zum Hauptverdächtigen, einem gesuchten Mörder, der über Wochen hinweg untertaucht. Sein Aufenthaltsort bleibt ein Geheimnis, bis man zufälligerweise auf seine Leiche stößt. Ausgerechnet in der Arktis wird Clausens völlig entstellter Körper aufgefunden, ohne dass irgendjemand erklären könnte, wie er dorthin gelangte.

Die Anerkennung durch die elitäre Wissenschaftsgemeinde bleibt ihm auch post mortem verwehrt. Stattdessen erntet er nach seinem Tod den zweifelhaften Ruhm, zum neuen Synonym für einen Mad Scientist geworden zu sein. Einen überforderten Wissenschaftler, der schlussendlich an der eigenen Unzulänglichkeit zerbricht und wahnsinnig wird.

Doch wer war dieser Dr. Peter Clausen wirklich? Tatsächlich nur ein Irrer oder doch das Genie, als das ihn enge Freunde immer wieder beschreiben? Liegt Clausens aberwitzigen und konfusen Äußerungen über ein übergeordnetes Bewusstsein, über Interventionen durch nichtmenschliche Intelligenzen ein wahrer Kern zugrunde?

Um diese Frage zu beantworten, ist es nötig, nicht nur den Esoteriker, sondern auch den Mensch und Wissenschaftler Clausen zu analysieren. Und dabei kann man sich eines Eindrucks nicht erwehren: Sein Leben gleicht einer Kette von subatomaren Kollisionen in einem Partikelbeschleuniger, die ein besonders exotisches Teilchen hervorbringen: Clausen selbst.

Geboren wird er 1968 mitten im Ruhrpott, in Essen als Sohn eines zeitlebens mittelosen Theaterkritikers und einer Unternehmerin. Die Eltern sind klassische 68er, beide stark von der gerade absterbenden Hippiekultur beeinflusst. Clausens Mutter ernährt die beiden Männer und die kleine Tochter mit den Einnahmen ihres Teegeschäftes, aus dem später eine Drogerie wird, zu der in den Achtziger Jahren noch eine Esoterikbuchhandlung hinzukommt. Den literarischen Interessen seiner Eltern verdankt Clausen wohl seine frühe Begeisterung für das Medium Buch. Er kann sich aber weder für die vom Vater verehrten literarischen Klassiker, noch für die von der Mutter verkauften Esoterikratgeber begeistern. Sein Herz schlägt für die Science Fiction, eine Leidenschaft, der er seine gesamte Freizeit widmet. Und sie zeigt eine Wirkung, mit der auch Clausens intellektuelle Eltern nicht rechnen. Der von alten Schulfreunden als fantasiebegabt bezeichnete Junge entdeckt sein Interesse an der Wissenschaft.

"Was der an unserer Schule wollte, hab ich nicht verstanden"

Trotzdem ist Clausen ein unauffälliger Schüler. Von Genialität sei nicht viel zu bemerken gewesen bei dem "Träumer", wie ihn Mitschüler und auch Lehrer nennen und dabei noch heute schmunzeln. Ein unsportlicher Spinner sei er gewesen, der eine gewisse Arroganz ausstrahlte, sich anscheinend auf dem Weg ganz nach oben wähnte - obwohl seine schulischen Leistungen niemanden davon überzeugen konnten. "Was der an unserer Schule wollte, hab ich nicht verstanden", erzählt ein ehemaliger Mathelehrer kopfschüttelnd. Das demonstriert Clausen 1989 der verblüfften Schulgemeinde, als er - nach jahrelanger Durchschnittlichkeit - mal eben im Vorbeigehen das beste Abitur der Schule abliefert. Damit stellt er unter Beweis, was andere längst argwöhnten. Er ist ein begabter Kopf, der nicht bereit ist, Energie in Belanglosigkeiten zu investieren.

Doch Clausen tut nicht, was sein kleiner Freundeskreis von ihm erwartet, nimmt nicht sofort das Physikstudium auf, vom der die gesamte Schulzeit hinweg träumte. Lieber gründet er 1990 mit dem Gitarristen Urs Stübli eine Bluesband. Für die Eltern ein Schock, denn die wissen gar nicht, dass ihr Filius Klavier spielen kann. Auch die wenigen engen Freunde
Clausen mit Urs Stübli auf dem Cover ihres Blues-Albums

spekulieren noch heute darüber, wo Clausen sein perfektes Klavierspiel erlernte. In der Schule gab er vor, in musikalischer Hinsicht völlig desinteressiert und ahnungslos zu sein, im Elternhaus gab es niemals ein Klavier. Einige behaupten sogar, Clausen hätte sich seine Fähigkeiten innerhalb nur weniger Wochen selbst erarbeitet - womit er selbst die Leistungen musikalischer Wunderkinder übertrumpft hätte. Stübli und Clausen nehmen ein Album unter dem schrägen Titel "Cut the hair on my back" auf. Es wird ein kompletter Flop, keine hundert Exemplare davon werden verkauft. Bei ihrem letzten Auftritt spielen Stübli und Clausen hinter Affenmasken - Jahre bevor eine heute sehr populäre Band eine ähnliche Idee hat. Stübli, selber Physiker, kehrt zurück in die Schweiz, wo er heute in leitender Position für das Sicherheitsunternehmen Red Agent Security arbeitet.

"Experimentelle Kernphysik. Das hat er immer als Teilchenabklatschen bezeichnet"

Clausen schlägt nun den Weg ein, mit dem alle gerechnet hatten, folgt seiner alten Leidenschaft, studiert ab 1991 Physik und liefert knapp unter der Regenstudienzeit seinen Abschluss ab. "Für sein Thema konnte sich Clausen nicht wirklich erwärmen. Experimentelle Kernphysik. Das hat er immer als Teilchenabklatschen bezeichnet", berichtet ein Professor. "Um einen Schraubenzieher in die Hand zu nehmen, war der sich zu schön. Ein Theoretiker wie er im Buche steht. Ich dachte, dass sei einer von den Faulen, die es sich dann in der Industrie gemütlich machen wollen."

Der sonst eher stille Clausen fällt an der Universität immer wieder durch seine große Klappe auf. Dann scheint sich seine Persönlichkeit manchmal "schlagartig umzukippen", erzählt sein Doktorvater. Tatsächlich habe er an einer
Clausen mit Stephen Hawking kurz bevor es zum Streit kommt

Diskussionsrunde mit Stephen Hawking teilnehmen dürfen, als der die Uni besuchte. Nach einer Stunde verlässt er empört die Veranstaltung - nicht ohne den berühmten Kollegen vorher noch einmal aufzufordern: "Roll nach Hause und denk noch mal drüber nach, was du da so schön kindgerecht verzapfst."

Mit seinem Promotionsthema kann Clausen mehr anfangen als mit seinem Diplomthema, liefert 1997 eine Doktorarbeit über Quantenkryptographie ab - und das in gerade mal zehn Monaten. Andere brauchen dafür vier Jahre, doch Clausen beweist einmal mehr, dass er nur dann Engagement zeigt, wenn ihn etwas begeistert. Nun ist er ein gemachter Mann, kann sich mit seinem für die Industrie sehr attraktiven Fachgebiet aussuchen, in welchem Unternehmen er sich ein luxuriöses Büro einrichtet.

Vielleicht tut er das auch, aber wir wissen es nicht, denn hier verwischen sich Clausens Spuren. Hinweise auf seine weitere Tätigkeit finden sich keine, was bleibt sind reine Spekulationen wie in den Science Fiction Romanen, die der junge Clausen verschlang.

"Ich habe mit Clausen gearbeitet, mit ihm gesprochen, mit ihm gegessen. Er war ein Freund."

Juri Andrejewitsch ist einer von mehreren Zeugen, die behaupten, mit Clausen gearbeitet zu haben. Andrejewitsch

, russischer Nuklearphysiker am CERN beharrt darauf, dort über ein Jahr hinweg gemeinsam mit Clausen geforscht zu haben. Um Transmittertechnologie sei es gegangen, ums Beamen also, so wie in den alten Fernsehserien. Andrejewitsch muss sich denselben Spott gefallen lassen, wie Clausen, wenn er seine Horrorgeschichtchen über gescheiterte Menschenversuche mit unsicheren Transmittern bereitwillig wieder und wieder vor Fernsehkameras herunterspult. Dabei ist der Physiker durchaus renommiert und man fragt sich unwillkürlich, warum er seinen Ruf für physikalisches Seemannsgarn aufs Spiel setzen soll. Andrejewitsch jedenfalls beschwört: "Ich habe mit Clausen gearbeitet, mit ihm gesprochen, mit ihm gegessen. Er war ein Freund."

Clausens weltweite Medienpräsenz ruft auch andere auf den Plan. UFO-Papst Rob Bazar lebt in den USA gut von den Legenden um seine Person. Er habe in der AREA51 an der Adaption außerirdischer Technologie und ihrer Nutzung für die Luftwaffe mitgewirkt, berichtet er jedem, der dafür zu zahlen bereit ist. Dabei habe er nicht nur gemeinsam mit Aliens gearbeitet - eine Aussage, die nach fast zehn beweislosen Jahren niemandem mehr überrascht - nein, er sei auch dem
Area 51. Hat Clausen hier gearbeitet?

leibhaftigen Clausen begegnet. Der habe 2000 höchstpersönlich in der AREA51 die Möglichkeiten der auch von Andrejewitsch beschriebenen Transmitterbox vor menschlichen Ingenieuren und Aliens demonstriert. "Ich schwöre ihnen, als das Ding Clausen direkt in den Hangar materialisierte, habe ich zum ersten Mal eines von diesen arroganten kleinen grauen Arschlöchern blass werden sehen", berichtete Bazar anschaulich in einem Interview - übrigens in der Howard Stern Show in der es an diesem Abend um kosmische Orgasmen ging.

Auch Clausens Verleger ist bereit zu beschwören, dass die Legenden um Clausen "zumindest zu 70% wahr sein sollten". Verdenken kann ihm das keiner. Dank des populären Clausen-Mythos schreibt der Verlag zum ersten Mal schwarze Zahlen, nachdem sich Sachbücher über Kornkreise und Tarotratgeber - die von einem inhaftierten Trickbetrüger verfasst wurden - nicht mehr wirklich gut verkauften.

"Das sind kultische Symbole für den Clausen. Die hätte er besser in Höhlenwände geritzt."

Mit seinem Buch "Die Realität des Irrealen" taucht Clausen 2004 urplötzlich wieder auf der Bildfläche auf. Dass der Mann tatsächlich ein echter Wissenschaftler war, wissen da nicht mehr viele, können das auch angesichts seiner einen Erich von Däniken in den Schatten stellenden Hirngespinste kaum glauben. In einer Talkshow fordert ihn ein ehemaliger Kollege zu einer Computertomographie auf, "um wenigstens die Existenz ihres Gehirnes zu beweisen, wenn es ihnen mit den Aliens schon so schwer fällt." Clausen wird wütend, prügelt seinen Kontrahenten quer durchs Studio und pusht durch diesen Auftritt die Verkaufszahlen seines Esoterikschinkens. Immerhin 500 Seiten lang ist das Buch. Fast 60 Seiten davon bestehen nur aus Formeln. Elektrodynamik, Quantenmechanik, Relativitätstheorie. Er behauptet, es sei der Grundriss der großen Vereinheitlichungstheorie, doch die wissenschaftliche Gemeinde tut es als Graffiti ab. Ein Astrophysiker aus München erklärt auf einer Tagung augenzwinkernd: "Als ich noch Student war, geisterte so ein alter Knabe mit Fliegerkappe durch die Vorlesungen. Was der da sah, kritzelte er später in den Aufenthaltsräumen an die Tafel, obwohl er überhaupt nicht wusste, worum es bei diesen Formeln ging. Clausen kommt mir genauso vor." Ein Plasmaphysiker aus Hamburg feixt in einem Radiointerview: "Das sind kultische Symbole für den Clausen. Die hätte er besser in Höhlenwände geritzt."

"Die Auftraggeber haben versucht sein Gedächtnis zu löschen."

Das linke Politmagazin "Kritischer Beobachter" behauptet, Hinweise auf Clausens Tätigkeit als Waffenentwickler entdeckt
Zeigt dieses Bild Clausen an einer von ihm entwickelten Waffe?

zu haben.. Später hätten die Auftraggeber versucht, sein Gedächtnis zu löschen. Eine Prozedur, die das einstige Genie in ein psychisches Wrack verwandelt habe.

Clausen berichtet Anfang 2004 selbst über seine Transmitterexperimente. Fast ein Jahr, bevor sein angeblicher Kollege Andrejewitsch zum ersten Mal mit seinen Augenzeugenberichten an die Öffentlichkeit geht. Er habe ein funktionierendes Transmittersystem entwickelt, mit dem lebende Versuchsobjekte über große Distanzen transportiert werden könnten. Doch etwas sei von der anderen Seite her "durchgekommen", glaubt er, "eine Art von Intelligenz" Später revidiert er seine Ansicht. Er habe einen Durchgang zu einer übergeordneten Realität geschaffen, fantasiert er weiter.

Clausen solle sich einer psychiatrischen Untersuchung unterziehen, schlägt sein ehemaliger Doktorvater nun in einem Interview vor.

Jetzt erträgt Clausen den Spott, mit dem er als Kenner der Wissenschaftsszene hätte rechnen müssen, nicht mehr. Er sagt Termine ab, verschwindet in der Versenkung. "Irgendwo nach Norden", behauptet sein Vermieter. Clausen habe wirres Zeug gefaselt. Über Polarlichter und über den Dortmunder Fernsehturm.

"Er hat wirres Zeug über Polarlichter und den Dortmunder Fernsehturm gefaselt."

Es ist der Fernsehjournalist Adrian Hoffs, der Clausen schließlich aufspürt und mit ihm ein Interview in Dortmund machen will. Der Physiker selbst hat diese Stelle nah am Fernsehturm vorgeschlagen, wolle eine Erklärung abgeben, der Welt die Augen öffnen. Hoffs Rohmaterial zeigt einen verwirrten Mann, der nicht mehr in der Lage ist, klare Sätze zu formulieren. Das Video wird zum bizarren Dokument des geistigen Verfalls eines hochbegabten Wissenschaftlers. Hoffs filmt sogar noch, als Clausen mit einem Messer, das er anscheinend auf einer Rasenfläche findet, auf ihn losgeht. Dann endet die

Aufnahme. Stunden später wird die Leiche des Journalisten gefunden. Er wurde mit fast zwanzig Messerstichen getötet. Höchstwahrscheinlich von Clausen, der nun endgültig verschwindet. Darin ist er genauso ein Meister wie als Schöpfer seines eigenen Mythos.

Im April letzten Jahres nimmt Clausens wahnwitziger Egotrip ein tragisches Ende. Zumindest deutet viel darauf hin, dass eine in der Arktis gefundene Leiche seine ist. Der Körper ist stark deformiert. Pathologen erklären, den Zustand durch die Verbrennung mit Flugzeugtreibstoff und die Aktivität von Wildtieren. Doch für Clausens Anhänger bedeuten die Deformationen etwas ganz anderes. Sie sind sich sicher: Clausen wurde transformiert - in was auch immer.

Clausens wissenschaftliches Lebenswerk ist unbedeutend, zurück lässt er nur einen Berg unbeantworteter Fragen. Wieso wurde er wahnsinnig? War er schlicht und ergreifend schon immer psychisch labil? Oder ist sein Zusammenbruch wirklich die Folge der Mitarbeit an einem Geheimprojekt? Die vermeintlichen Zeugen sind entweder dubios, oder gleich völlig unglaubwürdig.

"Die Presse dreht mir eh das Wort im Mund herum."

Es sind nicht viele Menschen übrig, die Clausen gut kannten. Der Vater starb 1995, die Mutter 2004. Clausens Schwester ist zu keiner Stellungnahme bereit, will nicht länger mit Fragen über ihren Bruder belästigt werden, die Presse "dreht mir eh das Wort im Mund herum."

Da es keine Antworten gibt, bleibt Spielraum für Spekulationen und die kursieren unter Esoterikern,Verschwörungstheoretikern und UFO-Sektierern. Die Regierung habe
Bessere Zeiten. Clausen und sein alter Freund der Künstler Ludger von Fenrir.

Clausen beseitigt, behaupten einige. Welche Regierung damit gemeint ist, bleibt meistens offen. Andere sind sich sicher, er wäre selbst zu einem Alien geworden, während wieder andere darauf beharren, dass er schon immer ein Außerirdischer war.Dann gibt es da noch die Gruppe, die vermutet, Clausen sei nach wie vor auf der Flucht, habe seinen Tod nur vorgetäuscht. "Seine Schwester ist sich sicher, dass er noch lebt", heißt es in einem eigens für die Suche nach Clausen eingerichtetem Internetforum.

Tatschlich wird Clausen gesichtet. "Genauso wie Elvis im Supermarkt oder auf einer Toastscheibe", erklärt ein Mitarbeiter der Kommission, die den Tod Adrian Hoffs untersucht. Legenden sterben eben nicht.

"Das Gespräch mit Clausen hat mich zum Umdenken gezwungen."

Immerhin. Im Oktober dieses Jahres erreicht ein merkwürdiges Video die Nachrichtenagenturen. Der australische Kosmologe McKinnlan behauptet, eine Videokonferenz aufgezeichnet zu haben. Sein Gesprächspartner sei Clausen gewesen, da ist er sich sicher. Tatsächlich gibt es eine auffällige Ähnlichkeit zwischen dem Unbekannten und dem deutschen Physiker. Um die Entstehung von Mikrouniversen durch Kollisionsexperimente sei es gegangen. Der Mann am anderen Ende, den McKinnlan nach eigener Aussage für Clausen hält, sei hochkompetent gewesen, habe ihm sehr konstruktive Fragen gestellt, die McKinnlan "zum Umdenken gezwungen haben." Am Ende des Videos setzt der Unbekannte eine Affenmaske auf, dann bricht die Verbindung ab.

Nicht auszuschließen, dass die Clausen-Anhänger ihren Kult durch kleine selbst inszenierte Sichtungen am Leben erhalten. Clausen wird dadurch endgültig zum neuzeitlichen Mythos, einem Wissenschaftsphantom, der für die Physik das ist, was der Yeti für den Himalaja ist. "Seine Geschichte ist so außergewöhnlich, dass sich einem der Eindruck aufdrängt, jemand muss sich das alles ausgedacht haben", meint der Künstler Ludger von Fenrir, ein alter Freund Clausens.

Dabei bleibt die wichtigste Frage immer im Hintergrund. Es ist die, die sich die Angehörigen von Adrian Hoffs jeden Tag aufs Neue stellen. Welchen Grund hatte Clausen, den Journalisten umzubringen?

Diese und viele andere Antworten wird er uns schuldig bleiben.

Letztendlich ist er selbst, genau wie Hoffs das Opfer seines Mythos geworden. Nur dass Clausen weiterlebt, tatsächlich transformiert: zu einem der Hirngespinste, die er selbst so gern von sich gab...

 

Falls auch Sie Dr. Clausen gesehen haben sollten, senden Sie ihre Meldung bitte an clausen-society@everymail.net