Lesung auf dem BuCon20 in Dreieich 2005 - Eine schöne Tradition

von Thorsten Küper

 

Zum Buchmessecon zu fahren, ist für mich in den letzten Jahren zu einer kleinen Tradition geworden. Am letzten Samstag war es mal wieder soweit und ich habe mich auf den langen Weg Richtung Dreieich gemacht. Dieses Jahr glücklicherweise ohne in die übliche Staufalle auf der A 45 zu geraten. Dafür trauert der Ruhrpott so sehr über meine Abreise, dass er dicke Regenschauer weint. Aber keine Sorge, ich komme immer zurück.

Kleines Ärgernis am Rand: Die Adapterkassette mit der ich den CD-Player an mein steinzeitliches Kassettenteil klemme ist hinüber. Aus der netten dreistündigen Tranceeinstimmung auf einen spacigen Nachmittag wird nichts. Immerhin ist das hessische Radioprogramm noch ganz vertretbar.

Dreieich begrüßt mich genau wie im letzten Jahr mit Sonnenschein - und mit heruntergelassener Bahnschranke, ebenfalls wie im letzten Jahr. (Denselben Schnappschuss wie im Bild rechts habe ich schon im Oktober 2004 gemacht.) Ich kann`s mir nicht verkneifen: Liebe Dreieicher. Durch den Buchmessecon könnte sich Euer Örtchen in den nächsten Jahren vom Dorf mit Stadtambitionen zu einem kulturellen Zentrum entwickeln. Allerdings nur, wenn nicht jeder Gast Eures Cons nach 20 Minuten Wartezeit an der Schranke - DIE Schranke, Ihr wisst genau, welche ich meine - langsam darüber nachgrübelt, doch lieber nach Frankfurt zu fahren, wo man Bahngleise ganz einfach überbrückt, um nicht den gesamten Straßenverkehr zusammenbrechen zu lassen. Das aber nur so als Tipp nebenbei.

In diesem Jahr scheint der Con relativ gut besucht zu sein (mittlerweile habe ich andere Meinungen gehört) , obwohl das rein subjektives Empfinden ist. Mal schauen was die hauseigenen Con-Statistiker in den nächsten Tagen an Informationen veröffentlichen. Eine Mischung aus Fans und Machern schiebt sich an dem guten Dutzend Verkaufsständen vorbei und man rottet sich in kleinen Gruppen zu Pläuschchen und Fachsimpelei zusammen. Wer so einen Con zum ersten Mal besucht und niemanden kennt, für den dürfte die Sache schnell ziemlich langweilig werden. Außer er verbringt die meiste Zeit damit, sich die einzelnen Vorträge und Lesungen anzuhören. Konsequente Hörer, die das Programm minutiös verfolgen gibt es übrigens einige. Auch diesmal sind viele bekannte Gesichter da. Barbara Jung und ihr Gatte, Prospero alias Christian Spliess, der bekennende Serien-Junkie und Blogger-Kollege, Ernst Wurdack vom Wurdack Verlag, Achim Hiltrop, Helmuth Mommers, Herausgeber der Visionen, der es sich an einem kleinen Verkaufsstand bequem gemacht hat - und nicht nur eigens zu diesem Zweck die für ihn sehr weite Anreise angetreten hat.

Klar, dass ich nicht nur hierher gekommen bin, um Bekanntschaften zu pflegen und zu stöbern. Etwas Arbeit steht auch noch auf dem Programm. Zusammen mit weiteren Autoren lese ich aus den aktuellen SF-Anthologien "Überschuss" und "Golem Goethe" des Wurdack-Verlages. Mit dabei sind Andrea Tillmanns, Ines Bauer, Stefan Wogawa, und Herausgeber Armin Rössler. Nachdem Armin und ich auf dem Darksidecon vor leeren Stuhlreihen gestanden haben, sind wir seelisch auf ein völliges Vakuum an Publikum vorbereitet. Aber der Bucon 2005 meint es gut mit uns. Die Sitzplätze sind komplett belegt und einige Zuhörer müssen die Lesung im Stehen verfolgen. Ich zähle vierzig Anwesende, womit wir uns im Vergleich zur gelungenen Lesung im letzten Jahr noch mal deutlich verbessert haben. Keine Frage, dass wir Autoren bei soviel Publikumsinteresse zur Höchstform auflaufen - das behaupte ich jetzt einfach mal ganz ohne störende Selbstironie. Auf jeden Fall hat`s jede Menge Spaß gemacht und darauf kommt es an.

Später am Abend - ich bin zu diesem Zeitpunkt bereits wieder unterwegs - wird der Deutsche Phantastik Preis verliehen. Es stellt sich herau, dass Helmuth Mommers mit seinen Visionen 2004 den ersten Platz in der Sparte "Beste Anthologie" und "Beste Kurzgeschichte" abgeräumt hat. Hm, Helmuth - ich würde behaupten, dass muss am brillanten Titel des Buches liegen. ;-) Herzlichen Glückwunsch !

Ach ja und eine dicke Contasche gab es auch noch. Die üblichen Perry Rhodan Broschüren fehlen nicht, auch nicht der obligatorische Heftroman, sowie zwei Taschenbücher, von denen mir eines schon mal auf einem anderen Con - war es nicht auch der Bucon? - in die Hand gedrückt wurde. Trotzdem eine ganz nette Auswahl. Ich bin übrigens immer sehr empfänglich für kleine Plastikraumschiffe oder Aliens. Vielleicht lässt sich da beim nächsten Mal ja was organisieren?

Bis dann.