Back in Black
von Thorsten Küper
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Die Geschichte des professionellen Mordens ist voller Missverständnisse…oder so ähnlich. Um einen tieferen Einblick in die aufreibende und verantwortungsvolle Tätigkeit des Berufsmörders geben zu können, haben wir vor drei Jahren die beiden Figuren Ratzinger und Bukovsky ersonnen. Beide stets modisch dunkel bis schwarz gekleideten Herren spielten bereits die Hauptrolle in unserem ersten richtig großen Filmprojekt "between the line". Dabei sind uns die beiden herzigen Waffenliebhaber mit dem dezenten Charme von Nachwuchssensenmännern so richtig ans Herz gewachsen. Und da wir unsere zwei hauptamtlichen Sterbehelfer so sehr vermisst haben, lag es nahe, ihnen einen eigenen kleinen ganz neuen Minikurzfilm zu widmen. So ist nun vor einigen Wochen das Drehbuch zu "Bukovsky und Ratzinger: Frauen" entstanden.
Es ist Freitag der 18.7 als wir uns an der Zeche Zollverein in Essen Katernberg einfinden, um unseren neuen Kurzfilm zu drehen. Die Planung sieht vor, alle Aufnahmen innerhalb von etwa drei Stunden im Kasten zu haben. Mittlerweile können wir ja nun schon einige Erfahrungen bei der Organisation unserer Projekte vorweisen. Drehorte werden grundsätzlich vorher ausgekundschaftet um sicherzustellen, dass sich nicht zu viele Passanten herumtreiben und der Abstand zur nächsten Strasse möglichst groß ist. Beides sind oft unterschätzte aber kritische Punkte, die jeder Amateurfilmemacher dringend berücksichtigen sollte. Nachdem wir mehr als einmal in der Postproduktion mit Tonproblemen durch Verkehrslärm oder schwatzende Spaziergänger kämpfen mussten, haben wir unsere Lektion gelernt. Ich habe allerdings den Verdacht, dass wir bei unserem Glück selbst mitten in der Wüste feststellen dürften, dass sich gleich hinter der nächsten Düne eine komplette Autobahn verbirgt… Auf dem recht langen Marsch zum Drehort auf dem öffentlich zugänglichen Gelände der Zeche Zollverein geschieht jedoch zunächst etwas Erstaunliches. Wir haben gerade eine Fußgängerbrücke überquert als uns ein Pärchen auf Rädern entgegenkommen. Ich bleibe verblüfft
stehen, als der Mann sich zu seiner Begleiterin umdreht, auf uns deutet und erklärt: "Das sind doch die, die den Film in der Vorlesung gezeigt haben!" Kein Scherz, es ist wirklich so passiert und beweist die Anekdote auch vielleicht nicht, dass wir auf dem Weg zum Weltruhm sind, so beweist sie doch, wie klein unser globales Dorf doch ist. Am Drehort angekommen bedarf es nicht mehr vieler Erklärungen. Kamera und Mikrofon werden zügig aufgebaut, Regisseur Uwe erklärt uns unsere Standorte und schon beginnen wir dem ersten Take. Uwe selbst spielt den Ratzinger und hat dabei von uns allen am meisten Text. In seiner Rolle hält er eine Art Beerdigungspredigt und muss dabei im doppelten Sinne todernst bleiben. Ich bin überrascht wie gut er es schafft, die Haltung zu wahren und nur ein einziges Mal entgleitet ihm die Kontrolle über seine Gesichtsmuskulatur. Bianca Franke, die in "Versuch zu lächeln" als geheimnisvolle Sängerin mit ihrer gelungenen Performance überzeugte, verblüfft mich diesmal mit überragend komischem Talent. Sie macht es mir äußerst schwer, keine Miene zu verziehen und nicht lau los zu prusten. Ich für meinen Teil habe recht wenig Text,
muss zum Ausgleich dafür aber das klassische Bukovsky-Outfit tragen. Der scheint wirklich Eis im Blut zu haben, der er verzichtet auch im Sommer nicht auf einen langen dunkelblauen Wintermantel. Ich zerschmelze, nicht nur in Anbetracht der schauspielerischen Leistung Biancas. Kamerafrau Simone beherrscht ihr Handwerk mittlerweile auch sehr gut und so entsprechen die Takes nicht nur darstellerisch sondern auch technisch unseren Vorstellungen. Bei diesem Dreh steht außerdem ein kleines Experiment an. Die Kamera soll sich diesmal bewegen. Um zittrige Bilder zu vermeiden, bleibtsie dabei auf das Stativ montiert, das so als Pendel mit langer Pendeldauer fungiert und die Bewegungen der Hände ausgleicht. Wenn so will, eine primitive Version einer Steady Cam. Allerdings muss der Kameramann dabei auch das Gewicht des Stativs tragen und es wird umso schwieriger, das Motiv im Kameraauge zu halten. Da mich die Neugierde und der Ehrgeiz gepackt hat, übernehme ich diese Aufgabe- und vergesse ganz, dass ich den Mantel noch anhabe. Als ich ihn etwas später ausziehe, sehe ich genauso aus, wie man es von etwas übergewichtigen Männern wie mir bei diesem Wetter erwartet. Mindestens zwei Liter Schweiß haben meine Kleidung durchtränkt und ich fühle mich wie nach einem Bad in Öl. Wo Bukovsky und Ratzinger auftauchen kann natürlich auch ein Opfer nicht fehlen. Henning Mahrt
, unser Leibwächter aus "Versuch zu lächeln" ist diesmal in diese Rolle geschlüpft - und gibt mir so die Gelegenheit, mich für den Kinnhaken aus besagtem Film zu revanchieren. Gefesselt und geknebelt wie er da auf dem alten Zechengelände liegt, bietet er einen Anblick, der erschreckend und drollig zugleich ist. Glücklicherweise befinden wir uns außerhalb der Sichtweite der zahllosen Radfahrer, die uns an diesem frühen Abend durch Klingeln und das typische Knirschen der Räder auf Kies belästigen. Henning gibt alles in seiner Rolle, was nicht einfach ist, denn mehr als undefinierbare Laute und verzweifeltes Minenspiel sind ihm nicht möglich. Das überzeugend zu machen, ist gar nicht so leicht, wie man sich das vielleicht vorstellt. Tatsächlich schaffen wir es, innerhalb von zweieinhalb Stunden, alle Takes zu drehen, finden dann
sogar noch die Zeit, einige Aufnahmen für Trailer und Abspann zu machen. Eine halbe Stunde später genehmigen wir uns neben Pizza und Pasta einen ersten Blick auf das gedrehte Material und lachen uns dabei schlapp. Fazit: Organisation und Durchführung unserer Projekte funktionieren immer besser. Es ist uns gelungen, einen immerhin fünfminütigen Film in weniger als drei Stunden abzudrehen. "Bukovsky und Ratzinger: Frauen" wird, wie ich hoffe,in spätestens zwei Wochen hier auf Sublevel12 und auf der Seite des Thunderbolt Video Projekt online abrufbar sein. Parallel dazu wird es dann hier auch das Drehbuch zu lesen geben.
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